Archiv der Kategorie ‘Wörter‘

Einkaufsparadies Spicecastle

Samstag, den 12. April 2008

Seit einiger Zeit wohne ich in o.a. unterfränkischen Stadt – genau, in Würzburg. Wie immer bei einem regionalen Neustart gilt es zunächst die feinen Eigenheiten der Region kennen zu lernen. Nach mittlerweile über einem Jahr bin ich unglaublich überrascht worden: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es in einer Stadt, die Würzburg heißt, keine Gewürze käuflich zu erwerben gibt. Ich gebe zu Gängiges wie Salz, Pfeffer, Basilikum, Oregano und vielleicht auch noch Mischungen wie Curry oder provencalische Kräuter werden angeboten. Das eine oder andere exotische Kräutlein wie Chili, Kurkuma oder Kreuzkümmel ist dabei. Insofern stimmt meine Aussage nur zum Teil. Dennoch bin ich es nicht gewohnt, dass selbst in der Delikatessabteilung großer städtischer Kaufhäuser keine Gewürze angeboten werden, die längst Einzug auch in deutsche Küchen gehalten haben – spätestens seit es das Perfekte Dinner gibt. Ich vermisse Lemon Gras, Garam Masala, Koriander oder Kardamom. Mischungen wie Curry Madras oder Thai. Ich frage mich allen Ernstes, wo indische und asiatische Restaurantküchen aus der Umgebung ihre Gewürze beziehen. Ich konnte zumindest in Würzburg selbst auf Nachfrage keine Lösung finden. Gerettet hat mich die Gewürzkarawane. Denn jetzt mache ich es mit den Gewürzen wie mit Schuhen, Kleidung oder Taschen: ich bestelle im Internet. Beim Stöbern unter den Gewürzen habe ich wirklich Lust bekommen, mehr auszuprobieren. Deswegen habe ich pünktlich zum Angrillen der Saison ein paar Mischungen zum Marinieren von Grillfleisch mitbestellt. Außerdem gibt es diverse Teesorten im Sortiment und einige Rezept- und Zubereitungstipps.

Pustekuchen

Mittwoch, den 9. April 2008

Pustekuchen?

Unbewusst habe ich neulich nach langer Zeit mal wieder das Wort „Pustekuchen“ genutzt, in diesem Beitrag ist es mir herausgerutscht – als Synonym für etwas, das nicht geklappt hat. Doch woher kommt der Begriff? Handelt es sich beim Pustekuchen, ähnlich wie eine Pusteblume, um einen Kuchen, bei dem man ganz leicht die Streusel wegpusten kann, die sich dann für immer verflüchtigen? Die Streusel sind dabei die Lösungen, der trockene Kuchen steht für das Problem. Oder handelt es sich beim Pustekuchen um einen total luftigen Kuchen, ohne Substanz und mit wenigen Zutaten?

Im Duden steht der Begriff nicht. Pustekuchen.de bietet folgende Definition:

„pus|te|ku|chen: in der fügung [ja,] p.! (ugs.; aber nein, gerade das gegenteil von dem, was sich jmd. vorgestellt od. gewünscht hat, ist eingetreten; viell. nach der wendung «jmdm. etw. pusten»; vgl. husten).“ Doch wie ist das Wort entstanden? Wikipedia bietet gleich zwei Herkunfts-Mythen:

Eine Theorie besagt, dass der Begriff aus dem Jiddischen käme. „Ja cochem, aber nicht lamdon“ war eine geläufige Redewendung, die im Berlin des 19. Jahrhunderts wieder auftauchte – als 2 Ja Kuchen, nicht London“ und so viel meinte wie „Quatsch“. Auch der WDR schließt sich in einem Bericht dieser Erklärung an.

Nach der anderen Theorie habe Goethe den Begriff genutzt, um Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen zu diskreditieren.

Wie dem auch sei. Pustekuchen ist ein schönes Wort, das auf keinen Fall aussterben darf!

Total durchgebimst

Donnerstag, den 13. März 2008

Es ist faszinierend, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens häufig die gleichen Wörter verwenden; vor allem Begriffe, die Außenstehende kaum verstehen. Bei unserer Lieblings-Partner-Werbeagentur ist es: durchgebimst. „Der ist total durchgebimst“, heißt vermutlich etwas wie: ein wenig verrückt, aber nett und lustig, schräg, aufgeschlossen. Erst dachte ich, durchbimsen würde nur vom Chef verwendet, doch auch die Mitarbeiter finden so manch eine Idee oder Person durchgebimst. Bimsen hat an sich nur zwei Bedeutungen: Jemanden zu drillen oder schikanieren. Oder sehr angestrengt und intensiv zu lernen. Es kann natürlich sein, dass sich die Durchgebimstheit nach zu langem Lernen oder böser Schikane einstellt. Doch vermutlich dachten die Wortschöpfer eher an den Bimsstein, der hartnäckigen Schmutz entfernt. Die traditionellen Vorstellungen und geistigen Schranken sind der Schmutz, der weggeschrubbt wird; danach ist man durchgebimst. Oder ein Durchgebimster ist wie ein Bimsstein – mit porösen Stellen, die viel Freiraum für kreative Gedanken lassen.

Jungs, ihr seid echt durchgebimst.

Zoom-Zoom – bitte?

Montag, den 10. März 2008

Seit 2002 bewirbt Mazda seine Autos mit dem Spruch – beziehungsweise den Lauten „Zoom-Zoom“. Scheinbar mit Erfolg, denn sonst hätte man sich sicher davon getrennt und nicht wieder für den Mazda6 herangezogen, der gerade massiv beworben wird. Ich habe keine Vorstellung davon, was Zoom-Zoom bedeuten soll. Vielleicht geht es den Mazda-Fans ja anders. Oder sie sind alle Klaus Lage-Fans, der einst sang: „Und es hat zoom gemacht.“ Damit meinte er, dass er sich verknallt hätte. So könnte Zoom-Zoom die dringliche Aufforderung sein, sich in den Mazda zu verlieben. Dann hätte das Zoom etwas von Heranzoomen, Fokussieren. „To zoom off“ heißt laut Leo.org „laut absurren“, was ja irgendwie passt: Mit dem Mazda ist man ganz schnell weg, und der Motor schnurrt wie eine (große) Katze, gar wie eine gefährliche Katze. Surren bedeutet laut Duden: „ein durch eine sehr schnelle, gleichmäßige Bewegung hervorgerufenes, dunkel tönendes, summendes Geräusch.“ Passt doch, wahrscheinlich.

Dann wäre da noch der Zoomer, hier muss wohl aber noch mächtig was dafür getan werden, dass es zoom macht bei den Lesern und das Portal für Schnelligkeit und Bewegung steht.

Spracheverhunzung

Freitag, den 29. Februar 2008

Gestern im Aufzug. Zwei dynamische Berater im Gespräch. “Ja, das müssen wir machen, damit wir beim Kunden reliable dastehen. Und auch die To Dos.” Sein Kollege: “Scary.” Der andere: “Come on, eine Telko, dann sind wir fine.” Hilfe!