Monatsarchiv für Mai 2008

Statistik auf Hessisch

Samstag, den 31. Mai 2008

Fragebogen

Das Hessische Statistische Landesamt hat mir einen Fragebogen zugeschickt. Es geht um die „wirtschaftliche Haupttätigkeit“ von Kilroy PR. Ich soll ankreuzen, welcher Haupttätigkeit wir nachgehen. Ich muss sogar, denn es bestehe „Auskunftspflicht“. Es gibt zwei vorgegebene Wahlmöglichkeiten, Tätigkeiten, denen wir laut Statistischem Landesamt vermutlich nachgehen:

Yogaschulen, Unterricht im Kartenspiel

Oder

Erbringung von sonstigen persönlichen Dienstleistungen

Unfassbar. Aber immerhin darf man auf Seite 2 eine eigene Tätigkeits-Beschreibung hinterlassen – „bitte so genau wie möglich, ähnlich wie in den auf Seite 1 aufgeführten Tätigkeitsfeldern“. Die „Erbringung von sonstigen persönlichen Dienstleistungen“ ist ja ungemein genau. Ich frage mich, wie das Amt auf diese Vorschläge kommt. Yoga habe ich noch nie gemacht, geschweige denn unterrichtet. Und das Kartenspiel? Okay, PR ist manchmal wie Poker, aber ansonsten…? Hier wird mal richtig Geld verschwendet. Lustigerweise war im Schreiben mein Mädchenname Ruprecht angegeben, nicht mal mein korrekter Nachname liegt der Behörde vor.

Call Center-Wahnsinn

Freitag, den 30. Mai 2008

Ich habe gerade den absoluten Call Center-Irrsinn hinter mir. Und bin kein Stück klüger. Ein Kunde von uns möchte in seinem Gasthaus einen Hotspot für die Gäste anbieten. Naiverweise dachte ich, dass es kein Problem sei, einen passenden Provider zu finden. Weit gefehlt.

Nach mühsamer Webrecherche bin ich schließlich bei der Telekom gelandet. Doch weder auf der Homepage von T-Home, T-Systems oder T-Online habe ich etwas zum Thema gefunden. Dafür eine kostenlose Rufnummer (nicht schlecht, bei AOL kostet die Minute aus dem deutschen Festnetz stolze 1,86 Euro…). Unter 0800-35522 sagte man mir, dass für Geschäftskunden die Business-Beratung unter 0800-3301300 zuständig sei. Guten Mutes rief ich dort an und wurde gebeten, mich online zu erkundigen. Ich konnte die Dame am Ende der Leitung überzeugen, dass ich auf den Webseiten nicht gefunden habe und erhielt die Rufnummer 0180-5443030. Hier sagte mir eine weitere Dame, dass es für das Thema Hotspots eine spezielle Infostelle gäbe, ich solle doch mal bei 0180-5330303 anrufen. Gut. Oder eben nicht. Denn unter dieser Nummer erreichte ich eine Dame, die mich direkt wieder auf die Webseite verwiese. „Auf welche? T-Home, T-Online, T-Systems?“ Immerhin war sie nun bereit, sich zu erkundigen, und ich wartete geduldig ab. Genau 5 Minuten und 30 Sekunden später wurde das Gespräch automatisch unterbrochen. Zurückgerufen hat mich niemand. Und auch im Web der Telekom habe ich trotz intensiver Nachforschung noch immer nichts gesehen. Und so müssen die Gäste wohl noch einige Zeit aufs Surfen im Biergarten verzichten. Und die Telekom für immer auf einen neuen Kunden.

Was bringen Kettenbrief?

Freitag, den 30. Mai 2008

Früher ging es um ewiges Glück, die große Liebe oder due Genesung eines schwer erkrankten Menschen. Man kam von Brieffreunden schlechte Kopien handschriftlich verfasster Aufrufe zugeschickt und sollte sie an ganz viele andere Menschen weiterleiten. Das habe ich nie gemacht. Mir geht es trotzdem prima, wie es den in den Briefen erwähnten Kranken geht, weiß ich nicht. Dann kam die Phase der Ketten-Mails. Gleicher Inhalt, gleiche Aufforderung. Meist wurden sie von Verwandten oder ahnungslosen Freunden weitergeleitet. Doch auch die haben scheinbar inzwischen erkannt, dass das Humbug ist.

Nach langer Zeit landete heute wieder eine Keten-Mail in meinem Postfach, weitergeleitet von einer sehr lieben Freundin, der man nicht böse sein kann. Es geht um die Benzinpreise. Die Empfänger werden aufgefordert, zwei große Konzerne zu boykottieren. So könne dem Anstieg der Benzinpreise entgegen gewirkt werden. Völliger Quatsch. Ich frage mich, wer solche Präsentationen in Umlauf bringt und was die Absender davon haben. Letztlich ist das Spam, der dann auch noch über vertrauenswürdige Mittelsmänner verschickt wird. Ob die Aktion vielleicht sogar von den genannten Konzernen selbst initiiert wurde? Denkbar ist ja heutzutage viel.

Nachwuchs auf der Terrasse

Montag, den 26. Mai 2008

Auf unserer Terrasse hat sich ein Rotkehlchen-Paar einen Kaktus als Nistplatz ausgesucht. Vor vier Wochen ging es los mit der Nestbauerei, und inzwischen sind fünf kleine Vögelchen da. Hier geht es zum Video: Die ersten Tage

Demnächst gibt es bessere Bilder – wenn ich es gelernt habe, das Schnittprogramm zu beherrschen.

Nachtrag: Ein weiteres Video gibt es hier: Das Nest
Wie gesagt, ich übe noch…

Der schmale Grat vom Marketing zum Spam

Mittwoch, den 21. Mai 2008

Manchmal hat man es als Kommunikations-Berater nicht leicht. Vor allem, wenn die Meinungen eines Kunden stark von der eigenen Überzeugung abweichen. Wir versuchen, immer nach besten Wissen und Gewissen zu beraten. Doch manch ein Kunde hat eigen Vorstellungen. Was soll man da tun? Der eine hält eine vierseitige Pressemeldung für besonders erfolgsversprechend, der andere will unbedingt unaufgefordert Hochglanz-Pressemappen verschicken. Doch richtig kontrovers kann die Diskussion werden, wenn es um das Thema Online-Kommunikation geht.

Kein Projekt eines Unternehmens hat rein selbstlose Zwecke, es geht immer um Reputation, Marktforschung, Werbung, Suchmaschinenoptimierung – oder auch um alles zusammen. Doch was soll man machen, wenn ein Kunde alle Anwendungen und Tools nur nutzen möchte, um möglichst schnell und einfach seine Ziele zu erreichen. Auch das ist ja verständlich. Aber ist es richtig, zahllose Blogs anzulegen und mit irgendwelchen kopierten Inhalten zu füllen, um dadurch Suchmaschinenoptimierung zu betreiben? Ist es richtig, bei Twitter zahlreiche Anzeigen zu veröffentlichen und sich ansonsten nicht um die „transparente Kommunikation“ dort zu kümmern? Jeder im Web hat eigene Intentionen, diese sind mal altruistischer, mal egoistischer. Auch ein privater Twitter-Fan ist aus bestimmten Gründen aktiv. Ist er ein „echterer“ Online-Nutzer als die Firma, die nur ihre kommerziellen Absichten verfolgt? Nein. Ja. Und deshalb stellen wir auch allen Kunden alle Möglichkeiten vor, die das Web bietet. Und doch ist es deprimierend.

Wir versuchen immer, unsere Faszination für das Internet an die Kunden weiter zu geben. Wir finden Spam und durchsichtige Suchmaschinenoptimierungs-Kampagnen schlimm. Trotzdem. Am Ende entscheidet der Kunde selbst. Wir halten uns dann zurück und lassen ihn machen. Doch das ist ziemlich feige und fördert schließlich nur den Internet-Müll. Also, liebe Kunden, hören Sie gut zu. Sie können machen, was sie wollen. Aber es ist nicht unbedingt gut. Denken Sie mal darüber nach:

Ist es nicht viel schöner, wenn Ihre Website- oder Profil-Besucher mit Ihnen sprechen als mit einer fiktiven Figur?

Wäre es nicht schön, mal etwas ganz Neues auszuprobieren?

Könnte es nicht sein, dass neue Maßnahmen viel erfolgreicher sind?

Wie langfristig wirksam sind Ihre momentan „erfolgreichen“ Strategien?

Wollen sie wirklich Ihre Online-Reputation aufs Spiel setzen und eines Tages vielleicht komplett die Glaubwürdigkeit verloren haben?

Zahlreiche andere Blogger haben sich damit beschäftigt, wie Kommunikation im Internet (und nicht nur dort) erfolgreich verläuft. Hier eine kleine Auswahl:

Bernd Röthlingshöfer: Das Karlsruher Manifest zur fairen Kommunikation

Blogpiloten: Social Collaboration: eine Chance für Unternehmen?

Ideenwerkstatt: Dialoge führen statt Kommunikation managen

Comandantina Dusilova: Manieren 2.0

Unser täglich Spam: Splogger: Wie die Schmeißfliegen