Monatsarchiv für April 2008

Wunderliche Journalisten?

Mittwoch, den 30. April 2008

Wenn die Presse anruft, herrscht oft aufgeregte Freude. Die Aussicht auf einen tollen Bericht lässt viele Herzen höher schlagen. Umso ernüchternder entpuppen sich dann so manche Fragen und Artikel. Was läuft hier schief?

Journalisten schreiben das, was ihre Leser interessiert. Zumindest gute Autoren halten sich an diese Regel. Und dieses Leserinteresse ist nicht immer deckungsgleich mit den Wünschen der in einem Artikel im Mittelpunkt stehenden Person oder des Unternehmens. Man selbst möchte vielleicht einen ganz besonderen Aspekt platzieren – und der Redakteur ignoriert dies schlicht, schreibt womöglich über „olle Kamellen“. „Warum fragen die immer das gleiche?“ „Wer will das noch lesen?“ „Das ist doch gar nicht interessant.“ – So oder ähnlich regieren manche Befragte insgeheim. Statt sich zu freuen, dass die Medien berichten und mit ihrer Erfahrung dafür sorgen, dass möglichst spannende Geschichten erzählt werden, ist man verärgert. Zu unrecht. Lassen Sie die Medien ihre Arbeit machen und bleiben Sie gelassen. Wenn es wirklich etwas zu berichten gibt, das die Leser interessiert, werden die Journalisten darüber schreiben. Freuen Sie sich bis dahin einfach über Medienfragen und erzählen Sie mit einem entspannten Lächeln zum 1000. Mal die gleiche Geschichte. Es gibt bestimmt, Leser, die sie noch nicht kennen…

Schreibängste nehmen

Montag, den 28. April 2008

Wenn es darum geht, etwas zu schreiben, ist bei vielen Arbeitnehmern die Blockade vorprogrammiert. Ob ein Bericht, Protokoll oder Artikel für die Mitarbeiterzeitung- wenn es ums Schreiben geht, ergreifen die meisten Erwachsenen die Flucht. Es könnte ja sein, der Text nicht gefällt, Vorgesetzte oder Kollegen diesen kritisieren. So wie damals in Schule, Studium oder Ausbildung. Dabei mangelte es oftmals genau denen an Talent und Urteilsvermögen, was gute Texte betrifft, die solche beurteilen. Oder sie möchten den Texten schlicht ihren eigenen Stempel aufdrücken, die eigene Kompetenz unter Beweis stellen. Und dabei wird teilweise mehr Schaden angerichtet als zum Besseren redigiert. Vor allem: es hemmt die Autoren und demotiviert. Vor allem, wenn ohne Feedback willkürlich geändert wird und der Schreiber gar keine Chance hat, sich zu erklären oder zu lernen. Doch was kann man tun, um sich oder anderen die Furcht vor dem Schreiben zu nehmen und zugleich „gute“ Texte entstehen zu lassen?

1. Die Geschmäcker sind verschieden, auch den Stil eines Textes betreffend. Somit sollte ein Gegenleser nicht streng den eigenen Stil durchdrücken, und ein Autor sollte sich klarmachen, dass es immer Kritiker und Fans gibt.

2. Wer nicht liest, hat es immer schwerer beim Formulieren. Wer also häufiger schreiben muss (darf), sollte fortan häufiger zu einem Buch oder der Zeitung greifen. Je fachferner und lebensnaher die Literatur ist, desto größer ist der Lerneffekt, Texte künftig möglichst verständlich, ohne Floskeln und bürokratische Ausdrücke oder Fachbegriffe zu schreiben.

3. Teamwork funktioniert auch, wenn es um Texte geht. Während der eine lieber schreibt, recherchiert der andere lieber, wertet Fragebögen aus oder kontaktiert Interviewpartner. Diese Aufgaben sollten nach Vorlieben und Vermögen verteilt werden.

4. Auch bei den Gattungen gilt: Nicht jeder muss alle gleichermaßen beherrschen. Der eine schreibt gern nüchterne Berichte, der andere gute Glossen oder Erlebnisreportagen. Zwang und Druck sind hier nicht förderlich.

5. Klar muss die Schreibarbeit erledigt werden. Doch wenn schon klar ist, dass der Kollege sich sträubt, dann lassen Sie ihm oder ihr wenigstens genug Zeit und Raum. Mal eben nebenher eine Zusammenfassung oder einen Bericht zu schreiben, führt unweigerlich zu Blockaden und schlechten Texten. Warum darf das Protokoll nicht im Homeoffice oder Straßencafé geschrieben werden?

6. Lassen Sie Themen zu, welche die Autoren wirklich interessieren. Gerade ungeübte Autoren sollten zunächst über das schreiben, womit sie sich auskennen, oder wovon sie sich berührt fühlen. Der komplexe Bericht über ein fachfremdes Thema schreckt bei wenig Schreiberfahrung eher ab.

Konkrete Tipps gegen die Schreibblockade gibt es hier:

Karrierebibel 

So nicht Blog

E-Portfolio Jasmin 

Upload 

Juttas Schreibtipps 

Texte mit Stimme 

Linktipp: Interview mit Wolfgang Zeglovits

Samstag, den 26. April 2008

“Die Presse” veröffentlicht heute ein Interview mit Wolfgang Zeglovits. Der Kommunikationsexperte beantwortet hier Fragen rund um die “Phänomene” Youtube, StudiVZ & Co. Das Schöne an seinen Antworten: Sie sind weder sensationsheischend noch provokant. So sagt er beispielsweise auf die Frage, ob das Web 2.0 die Privatsphäre auflöse: “Schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurden Prominente vom Boulevard öffentlich bloßgestellt. Die heutige Problematik ist eher die, dass sich diese Mechanismen nicht mehr auf Prominente konzentrieren, sondern jeder davon betroffen sein kann.”

Ganz im Gegensatz dazu ein anderer Bericht in der gleichen Ausgabe der Zeitung. Unter der Überschrift “Web 2.0: Das Netz der Jugendlichen” werden durch Aussagen wie: “Wer kein eigenes Profil, keine eigene Site hat, existiert (fast) nicht” Vorurteile bestätigt und Kopfschütteln auf Knopfdruck herbeigeführt.

Ich packe eine Bücherkiste und lege rein… (9b)

Freitag, den 25. April 2008

Gut, es scheint so, als käme die Idee, meine Bücher hier kistenweise zu verschenken, nicht so gut an. Keiner will sie haben. Und aus diesem Grund gibt es heute das letzte Buch, das in die Kiste kommt. Die anderen Bücher werde ich dann wohltätigen Zwecken zukommen lassen…

Drin sind dennoch:

Andrea Pflüger: Operation Rubikon

Jane Heller: Trau niemals einem Mann

Sabine Neuffer: Herr Bofrost, der Apotheker und ich

Gregory & Tintori: Das Buch der Namen

Bruce Chatwin: In Patagonien

Mark Spörrle: Wer hat meine Hemden geschrumpft?

Jonathan Kellerman: Blutgier

Dieter Nuhr: Gibt es intelligentes Leben?

Nun neu: Sommerkimder – Geschichten aus den großen Ferien

Viel Glück!

Zehn Vorteile eines Veranstaltungs-Blogs

Freitag, den 25. April 2008

Kaum ein Thema eignet sich besser, um erste Erfahrungen mit Weblogs zu sammeln, als ein Event. Und dennoch: nur wenige Unternehmen nutzen bisher dieses Kommunikationsinstrument – sei es, um ein Event vorzubereiten, zu begleiten oder um neue Zielgruppen zu erreichen. Gestern habe ich darüber einen kurzen Vortrag auf der Messe Imex gehalten. Es waren zahlreiche interessierte Zuhörer gekommen, doch alle waren sich einig, dass das Thema Web 2.0 allgemein noch kaum eine Rolle in Zusammenhang mit Veranstaltungen, Messen oder Kongressen spielt. Klar gab es das Blog zu CeBIT, zur re:publica oder dem E-Day in Klagenfurt. Doch das sind Ausnahmen. Woran mag das liegen? Die Vorbereitung einer Veranstaltung ist meist – für eine klar definierte Zeit – sehr zeit- und ressourcenaufwändig, den Organisatoren bleibt selten ein Moment, sich nebenher noch um ein Blog zu kümmern. Dabei könnte diese auch entlasten, vor allem, wenn es frühzeitig aufgesetzt wird. Ob ein Blog, das von externen Experten, den Referenten oder Besuchern vom letzten Jahr geschrieben und betreut wird – oder ein Blog mit Autoren aus den eigenen Reihen: hier liegen echte Chancen und Potenziale.

1. Durch die richtigen Fragen erfahren Sie vor der Veranstaltung, was die Besucher erwarten – von den Referenten über das Catering bis hin um konkreten Programm. Beschwerden im Nachhinein werden sich folglich verringern, und Sie können die zufriedenen Besucher bei der nächsten Veranstaltung erneut begrüßen.

2. Sie erreichen eine neue Zielgruppe, die auf klassische Werbemaßnahmen nicht oder nur eingeschränkt aufmerksam wirkt.

3. Die Bekanntheit Ihrer Veranstaltung steigt; durch Mundpropaganda im Web wird an diversen Stellen über Sie geschrieben.

4. Auch im Anschluss vermittelt das Blog einen tiefen Einblick und macht neugierig auf das nächste Event.

5. Ihre Veranstaltung bekommt ein Gesicht und bindet Interessierte mehr als ein Flyer je könnte.

6. Die Besucher fühlen sich mehr als Teil der Veranstaltung, Sie binden diese auch über das Event hinaus.

7. Wenn sie mal bei der Vorbereitung nicht weiterkommen, helfen Ihnen eventuell Ihre Blog-Leser; sie kennen möglicherweise genau denjenigen, den Sie suchen oder haben Kontakte zu dringend benötigten Dienstleistern.

8. Eine „normale“ Webseite rund um eine Veranstaltung einzurichten ist deutlich aufwändiger und kostspieliger. All die interessanten Kommunikationsmittel bietet das Blog frei Haus.

9. Selbst technisch unerfahrene oder scheue Mitarbeiter können schnell mit dem Content Management System des Blogs umgehen.

10. Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam mit den Lesern an einem Projekt zu arbeiten und nicht im stillen Kämmerlein zu bibbern, ob die Ideen rund um das Event ankommen.