Monatsarchiv für März 2008

Passwortchaos bei T-Com

Montag, den 31. März 2008

Geht es Ihnen auch so, dass Sie ständig auf der Suche nach Passwörtern sind? Es gibt ja diverse technische Hilfen – doch leider eben nicht für alle Dienste und Situationen. Als T-Com-Kundin war ich vor einigen Wochen überaus glücklich, meine nie benutzte E-Mail-Adresse und das dazugehörige Passwort auf einem uralten Infoblatt notiert gefunden zu haben. Beides benötigt man, um die Rechnungen online abzufragen. Nun wollte ich eben die letzte Rechnung abfragen und gab alles korrekt ein. Doch was ist das? Ich werde aufgefordert, für ein künftig gemeinsames Passwort bei T-Online und Rechnung Online mein „Rechnung Online Passwort“ einzugeben. Das will ich gar nicht und habe doch keine andere Wahl. Anders geht es nicht weiter. Nur leider ist das Passwort nicht identisch mit dem, das ich vorher genutzt habe. Wo ist es?

Ich versuche alle bekannten Passwörter, doch keines ist korrekt. Alle komischen Nummern meines Benutzerprofils gehen auch nicht. Okay, ich klicke „Passwort vergessen“ an. Jetzt soll ich eine „Benutzerkennung“ eingeben. Wieder müssen alle vorgedruckten Nummern des Zettels mit der Auftragsbestätigung herhalten. Aber keine ist korrekt: „Ein Nutzer mit diesen Daten ist nicht bekannt.“ Ich klicke „vergessen“ an. Jetzt soll ich die Kundennummer und eine Buchungskontonummer angeben. Ich krame in alten Ordnern, finde eine Auftragsnummer, eine TOIID, eine Mailorder ID. Und dann endlich auch eine Kundennummer und die Buchungskontonummer. Ich gebe alles ein – und oh Wunder: die Benutzerkennung lautet so, wie das Wort, das schon vorher dastand und dem ein leeres Feld folgte. Ich gebe es ein. Und wieder muss ich die schon eben eingetippte Buchungskontonummer eingeben. Mache ich doch glatt. Jetzt kommt die Sicherheitsfrage, die ich einst angegeben habe, und ich kann sie glücklicherweise beantworten – soll ich groß oder klein schreiben? Ich versuche es mit der Kleinschreibung. Falsch. Groß? Ja, es hat geklappt, mein neues Passwort ist aktiv. Ich gebe es auf der ursprünglichen Seite ein. Das Ergebnis: „Der Vorgang kann aufgrund eines Fehlers nicht fortgesetzt werden. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“
Telekom

Ich gehe wieder auf www.t-home.de beziehungsweise lande – langsam nervös und unkonzentriert – beim EDV-Berater Friedrich Thomé unter www.thome.de, dann bin ich richtig. Ich gebe wieder E-Mail-Adresse und Passwort ein und rechne fest damit, dass die Umstellung auf das einheitliche Passwort vollzogen ist. Pustekuchen. Ich soll erneut die „Umstellung starten“. Dann klappt es endlich. Doch statt der gewünschten Infos zu meinen Rechnungen werden mir zwei Informationsservices angeboten. Die will ich nicht haben und klicke keinen an. Jetzt bin ich drin. 45 Minuten später. Was waren das noch für Zeiten als die Telefonrechnung mit der Post kam.

Ach ja, nachdem ich die aktuelle Rechnung ausgedruckt habe und ins Archiv klicke, sehe ich dies:
Fehlermeldung
Ich schließe das Fenster, gehe erneut auf T-Home, bin noch eingeloggt – und bekomme die Meldung erneut. Auch beim dritten Mal klappt es nicht. Ich logge mich aus und ein. Doch es hilfts nichts. Immer wieder erscheint diese Information. Das darf nicht wahr sein. Ich rufe doch jetzt nicht da an. Das war’s, mir reicht’s.

Interview mit Andy Oakes über China, Tibet und die Olympischen Spiele

Freitag, den 28. März 2008

Andy Oakes
Der britische Autor Andy Oakes nimmt seine Leser mit auf die Reise in eine fremde Welt. Seine Krimis spielen im modernen China, das geprägt ist von Korruption und Gewalt. Im Interview spricht er über die aktuellen Unruhen in Tibet.

Lieber Andy, vor einigen Monaten ist Ihr Roman Goldener Reis in Deutschland erschienen. Es handelt sich dabei um einen Krimi, der in China spielt – ebenso wie Ihr Buch Drachenaugen. Was macht die chinesische Kultur so interessant für Sie?

Andy Oakes: Ich schätze: Vieles. Ich interessiere mich sehr für „in sich geschlossene“ Gesellschaften, den Kommunismus und politische Instrumente, die Menschen in Schranken verweisen und ausgrenzen. China bietet mir als Autor vielfältige Inspiration, die Landschaft, den Großmut der Bevölkerung, eine weit zurück reichende Geschichte… aber es bietet mir auch seine dunklen Schattenseiten, das Verhalten gegenüber Frauen, Tötungszimmer, in denen weibliche Babies sterben, die schreckliche „Ein-Kind-Regel“ u.v.m.

I guess lot’s of things. I’m very interested in ‘closed’ society’s, communism, and plotical process that push people to the edge and which marginalises them. China offers me as a writer wonderful things, such as the landscape, the generosity of the people, a rich history… but it also offers me its very dark under-belly, its attitudes to women, killing rooms where baby girls are left to die, the disastrous ‘one child policy’, etc; etc;

Woher nehmen Sie all die Details und Insider-Informationen für Ihre Romane?

Andy Oakes: Ich habe ein Netzwerk mit Kontakten in China; Menschen geben mir Informationen und riskieren dabei viel….

I have a network of contacts in China, some who give me information at great personal risk…

Während der vergangenen Wochen haben wir viel gehört und gesehen über die Unruhen in Tibet und Übergriffe der chinesischen Armee. Überrascht Sie dies?

Andy Oakes: So wie China regiert und die Bevölkerung lange Jahre unterdrückt wurde, hat das Regime dort eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme angehäuft, mit der sich die Volksrepublik in Zukunft auseinandersetzen muss: Das unglaublich schnelle Wirtschafts-Wachstum hat eine wachsendesökologische Katastrophe herbeigeführt; die Tatsache, dass jedes 100. Baby ein Mädchen ist – nur jedes 115. Baby ist männlich – führt zu einer großen Abweichung beim Verhältnis der Geschlechter; zudem gibt es die spezielle Ausprägung des Kapitalismus‘, wie er in China praktiziert wird und keine Rücksicht auf die Bevölkerung nimmt.

In the way that China has been governed and the people supressed for many years, the regime there has ‘collected’ a variety of very difficult problems that they will have to address in the future. The rapid economic rise has caused a growing ecological disaster. The fact that for every 100 baby girls born – 115 baby boys are born, thus causing a major discrepancy in the balance of the sexes. The particular rabid brand of capitalism that is practised in China and that has no regard for the people.

Viele Menschen – darunter viele Blogger – fordern einen Bokott der Olympischen Spiele in China. Was denken Sie darüber?

Andy Oakes: Das ist eine schwere Frage; die beste Möglichkeit, darauf zu antworten, ist dass sich jeder Athlet tief im Innersten damit befassen sollte. Wie auch immer, wäre ich ein für die Spiele qualifizierter Athlet, würde ich nicht an einem Wettbewerb in einem Land teilnehmen möchten, das Tibeter tötet.

A difficult question, my best way of answering is that each athlete going to China really has to search their own souls over this. However, if I were an Olympic standard athlete I would not want to take part in a games, in a country that is killing Tibetans.

Wie schätzen Sie die Einstellung der chinesischen Bevölkerung gegenüber ihrer Regierung ein – insbesondere in Bezug auf ihr Vorgehen in Tibet?

Andy Oakes: Ich hasse jegliche Form der Unterdrückung von Menschen, insbesondere von so großmütigen und kultivierten Menschen wie den Tibetern. Ich denke wir werden in den nächsten Monaten das Beste und zugleich Schlimmste von China sehen. Wir werden die fantastische Organisation und Zurschaustellung der Olympischen Spiele beobachten, und wir werden Blut auf den Straßen in Tibet sehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass wenn die Proteste in Tibet zu Maos Zeiten aufgekommen wären, die chinesischen Gewalttaten gegenüber den Demonstranten deutlich heftiger gewesen wären… wie auch immer, die Welt muss der chinesischen Regierung klarmachen, dass solche Gewaltanwendungen vollkommen unakzeptabel sind. Es betrübt mich, dass die einst so edlen Worte von Mao und dem Kommunismus heute allein dazu genutzt werden, Menschen durch die Chinesische Kommunistische Partei zu unterdrücken. Die Menschen, die nach dem Maoismus frei sein sollten, die Bauern, sind heute die am meisten unterdrückten Menschen in China… neben dem, dass ihnen Grundbesitz genommen wurde und sie die ökonomische Situation auf dem Land dazu zwingt, in die überbevölkerten Städte zu fliehen. Unter der Landbevölkerung wächst eine tiefe Wut, es gibt zivile Unruhen und Proteste innerhalb Chinas… so wie die Regierung die Bevölkerung heute behandelt, werden die Probleme für die Zukunft aufbewahrt.

I hate any repression of people, especially of such noble and cultured people as the Tibetans. I guess that over the next few months we will see the very best and the very worst of China. We will see the marvelous organisation and displays during the Olympics, and we will see blood on the streets in Tibet. There is no doubt that if the protests in Tibet had happened in Mao’s day, Chinese violence towards the protesters would have been even more extreme… however, the world needs to register to the Chinese government that such violence is totally un-acceptable. On a day to day basis, it is sad for me that the once noble words of Mao and communism are now purely being used by the Chinese Communist Party to suppress the people. The people that Maoism was supposed to free, the peasant classes, are the most oppressed people in China today… with their land being taken from them and the economic situation in the country forcing them to flee to the overcrowded cities. A deep anger is growing amongst the huge peasantry, as is civil unrest and protests within China… the government are simply storing up problems for the future in the way that it governs its people now.

Und die Medien und die Engländer? Was denken sie und schreiben sie über diese Problematik?

Andy Oakes: China liegt weit entfernt von Gro0britannien, und während der vergangen zwanzig Jahre sind die Engländer unpolitischer geworden. Insgesamt sind sie besorgter über Probleme in ihrer unmittelbaren Nähe geworden, ebenso wie Menschen wie wir sie sind sich immer um Ungerechtigkeit kümmern.

China is a long way from the UK, and over the last twenty years people in the UK have become less political. On the whole they are much more concerned about problems nearer to home… although as a people we are always concerned about injustice.

Was würden Sie den Entscheidern raten? Können die Olympischen Spiele zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen China und den Tibetern führen?

Andy Oakes: Wir müssen begreifen, dass sich der Charakter eines Chinesen sehr von dem eines Europäers unterscheidet… und dass Drohungen gegenüber China und der Politik des Landes einfach nicht funktionieren. Die Chinesen sind grundsätzlich sehr besorgt darüber, ihr „Gesicht zu verlieren“, das ist äußert wichtig für sie… und somit müssen wir ihnen die Möglichkeit lassen, sich von der grausamen Position abzukehren, ohne sie in die Ecke zu drängen. Wie auch immer… was können unsere Politiker bezogen auf China unternehmen, das über die größte stehende Armee der Welt verfügt und die größte wirtschaftliche Macht weltweit innerhalb der nächsten zehn Jahre besitzt?

We have to understand that the Chinese character is very different from the European character… and that us making threats to China and its politicians simply does not work. They are always very concerned about ‘loss of face’, this is most important to them… and so we have to allow them to back away from this dreadful position without pushing them into a corner. Anyway… what can our politicians do about China, who has the largest standing Army in the worlds and which will be the greatest economic power in the world within the next 10 years ?

Worin bestehen nach Ihrer Meinung die größten kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen China und Europa?

Andy Oakes: Es gibt so viele Unterschiede. Die chinesische Einstellung gegenüber Frauen; sie bezeichnen weibliche Babies noch immer als „verschüttetes Wasser“, was bedeutet, sie seien wertlos. Dass wir nach Individualität streben – während in China der Kollektivismus das Ziel ist.

There are so many differences. Their attitude to women, they still refer to baby girls as ‘spilt water’, meaning that they are worthless. That we strive for individualism – whilst in China that they strive for collectivism.

Was sind für Sie die faszinierendsten und bewundernswerten Charaktereigenschaften der Chinesen?

Andy Oakes: Sie sind unglaublich belastbar und tapfer… häufig auch angesichts widriger Umstände. Sie sind sehr kultiviert und lieben die Kunst. Und sie haben einen unglaublichen Sinn für Humor.

They are incredibly resilient and brave… often in the face of great adversity. They are very cultured and love art. They also have a wonderful sense of humour.

Was wäre Ihr Rat, um eine Richtungsänderung herbeizuführen?

Andy Oakes: China verändert sich und hat sich in den vergangen zehn Jahren auf verschiedene Weise am Weltgeschehen beteiligt. Es nimmt eine immer weniger aggressive Haltung an. Wie auch immer müssen sie erkennen, dass Wandel nicht grundsätzlich gesteuert und manipuliert werden kann. Veränderung kann schmerzhaft sein und man macht vielleicht Fehler dabei… aber diese Fehler sind häufig notwendig und können einen großen Wissensgewinn bewirken. Man muss sich nur die europäische Geschichte anzuschauen, um dies zu verstehen.

China is changing, and over the past ten years has really ‘joined’ the world in many ways. It is also taking a far less aggressive posture. However, they need to realise that change cannot always be managed or manipulated. Change can be painful and you might make mistakes along the way… but those mistakes are often necessary and can contain a great deal of knowledge. You only have to look at European history to understand that.

Wäre es möglich, dass die fiktiven Geschichten aus Ihren Büchern wahr würden?

Andy Oakes: Wer sagt, dass meine Romane fiktiv sind :-) Vieles, über das ich schreibe, ereignet sich genau jetzt in China… natürlich offensichtlich eingebettet in einen fiktiven Rahmen. Die die Menschenrechte betreffende Problematik, über die ich spreche, ist vollkommen real – Organ-Transplantationen, (räuberische) Organ-Entnahmen, Exekutionen, vermisste Kinder etc.

Who said that my novels are fictitious (smile) ? Much that I write about are things that are occurring in China right now… but obviously set within a fictitious framework. The human rights issues that I talk about, transplantation of organs, organ harvesting, executions, missing children ec; etc; these are all completely true !

Bloggen Frauen anders?

Donnerstag, den 27. März 2008

Der Medienwissenschaftler Jan Schmidt äußert sich im heute veröffentlichten Interview mit dem Tagesspiegel zu den Unterschieden zwischen Bloggern und Bloggerinnen. Er sagt: „Frauen bloggen überproportional häufig über persönliche Erlebnisse.“ Das Blog einer Frau sei meist „eine Art Online-Tagebuch“. Männer hingegen „wollen häufig ihr Wissen mit anderen teilen und bloggen deshalb über Themen, die für eine größere Masse relevant sind“. Als Frau, die hier hoffentlich kein Tagebuch führt, muss ich dem natürlich widersprechen – beziehungsweise eine neue, ergänzende These aufstellen: Nicht das Geschlecht entscheidet über den Inhalt von Blogs, sondern die Intention des Autors.

Gerade unter den bekanntesten und beliebtesten Bloggern gibt es überdurchschnittlich viele Freiberufler und selbstständige Berater, vor allem aus dem Umfeld der Online-Kommunikation. Diese „nutzen“ ihre Weblogs natürlich auch dazu, ihr Wissen und ihre Qualifikation zu dokumentieren. Über die Themenauswahl können sie sich als Experten positionieren und möglicherweise neue Kunden akquirieren. Letztlich sind so viele der sogenannten A-Blogs nichts anderes als Corporate Blogs.

Die Studie Genderaspekte in der Existenzgründung und Selbstständigkeit zeigt auf, dass überdurchschnittlich viele Frauen (62 % vs. 38 % der Männer) die Selbstständigkeit als Zuerwerb nutzen, sich also neben um Familie und Haushalt kümmern und der Beruf eine Art Nebenjob darstellt. Unter den Vollzeit-Selbstständigen gibt es hingegen überdurchschnittlich viele Männer – 76,9 Prozent der Selbstständigen, die dies als Haupterwerb sehen, sind Männer.

Übrigens gibt es im Süden Deutschlands mehr haupterwerblich tätige selbstständige Frauen als im Norden. Jetzt wäre es natürlich spannend, zu untersuchen, ob es im Süden mehr Bloggerinnen mit massenrelevanten Journalen gibt als im Norden… Eine Stichprobe: Anke Gröner kommt aus Hamburg, Nicole Simon wohnt in Lübeck, die teilweise selbstständigen Bloggerinnen vom Hauptstadtblog sitzen auch im Norden, Anne Roth lebt ebenfalls in Berlin, Meike Richter kommt aus Hamburg, Nicole Ebber lebt in Köln und die whois-Gründerin Ulrike Reinhard hat ihren Firmensitz in Neckarsteinbach; das liegt zwar im Süden, doch es zeigt sich, dass scheinbar deutlich mehr bloggende Unternehmerinne und Freiberuflerinnen im Norden leben. Womöglich inspiriert Norddeutschland Frauen zwar weniger zur haupterwerblichen Selbstständigkeit – dafür aber zum thematischen und nicht tagebuchartigen Bloggen. Ob das bei den Männern ähnlich ist? Und wieso scheint es so wenig ambitionierte Bloggerinnen im Süden zu geben? Hat die Selbstständige im Süden weniger Zeit? Fest steht, es gibt eindeutig weniger bekannte Bloggerinnen als Blogger, und das ist schade.

Nachtrag: Bei diesem Beitrag wurde die Kommentarmöglichkeit entfernt, da er immer wieder mit Spam beschossen wurde.

Medientraining: Top 10 der Ausreden

Donnerstag, den 27. März 2008

Medientrainings als Vorbereitung auf Gespräche mit der Presse sind nach meiner Ansicht unerlässlich. Ein Geschäftsführer, Politiker oder Marketingleiter kann noch so wortgewandt sein, wenn es um die Darstellung der eigenen Person oder Botschaften gegenüber Journalisten geht, wird sich viel zu schnell verhaspelt, werden falsche Akzente gesetzt, zu ausführlich berichtet oder im schlimmsten Fall Interna ausplaudern. Und dennoch: Viele sträuben sich vor dieser Trockenübung, aus den unterschiedlichsten Gründen. Hier die Top 10 der schlechtesten Ausreden, um am Medientraining vorbei zu kommen (und gleich dahinter die Erwiderung):

1. Ich muss noch so viel am eigentlichen Produkt arbeiten, für ein Medientraining bleibt da keine Zeit. – Doch, die sollten Sie sich nehmen. Sie arbeiten doch nicht so hart, um dann nicht beachtet zu werden.

2. Ich hab‘ sowas schon mal gemacht (vor zwei, drei Jahren…). – Das ist egal und vermutlich zum Großteil vergessen. Ein Medientraining sollte man alle sechs Monate wiederholen, zumindest wenn man zwischenzeitig keinen regelmäßigen Kontakt zur Presse hatte.

3. Ich bin ein prima Verkäufer und habe schon unzählige Verkaufstrainings absolviert, da werde ich das mit der Presse auch hinkriegen. – Auch wenn das Verkaufen dem Vermitteln von Botschaften und Darstellen eines Produktes ähnelt, kann der Journalist nicht als Kunde betrachtet und behandelt werden. Kaufen soll ja der Leser, der Journalist soll motiviert werden, nachzufragen, zu recherchieren und sich näher mit dem präsentierten Thema zu befassen.

4. Die fragen und schreiben ja doch, was sie wollen. – Ja, wenn man sich nicht mit den Medien zusammensetzt. Ansonsten kann man steuern. Und wer sich ordentlich vorbereitet, wird nur von wenigen Fragen überrascht.

5. Man kann ohnehin nicht jede Situation voraussehen und trainieren. – Nicht jede, aber einen Großteil. Und das gibt Sicherheit – auch für die unerwarteten Situationen.

6. Die paar Fragen gehe ich am Abend vorher mit meinem Mann durch. Der kennt mich eh‘ am besten und sagt mir, was ich nicht so gut mache. – Gerade Personen, die einem nahe stehen, halten sich selbst mit berechtigter Kritik oft zurück. Und man nimmt Anmerkungen von Freunden oder Partnern nicht so an wie die von einem unabhängigen Experten.

7. Das Medientraining könnte an meinem Selbstbewusstsein kratzen und nachher würde ich mich nicht mehr so gut darstellen können. – Im Gegenteil: Das Training bringt viel mehr Sicherheit und bestätigt ja auch.

8. Im Notfall sind Sie ja auch noch dabei und können mir helfen. – Meist ist es dann schon zu spät, und ein schlechter Eindruck bleibt. Ein Begleiter kann Ihnen unter dem Tisch gegen das Bein treten, doch vermutlich haben Sie dann schon zu viel oder das Falsche gesagt.

9. Meine Natürlichkeit kommt doch viel besser an. – Übung nimmt nicht die Natürlichkeit, sondern unterstreicht sie vielmehr. Man muss nicht „unnatürlich“ bei jeder Frage überlegen und darüber nachdenken, ob das Gesagte passt.

10. Meine Kollegen, Parteifreunde, Sportkameraden und Mitarbeiter sagen, ich sei so ein tollere Redner. - Ob die immer die Wahrheit sagen? Und wer gute Reden hält, kann noch lange keine guten Gespräche führen.

Vertiefende Informationen zum Thema finden Sie hier:

Die BBC bietet kostenlose Kurse, die auch die eigenen Mitarbeiter nutzen. Eine gute Einstiegshilfe.

Was passiert, wenn man das falsche oder kein Training hatte, zeigt blog5.

Das PR Trainingslager hat ein Video-Interview zum Umgang mit Journalisten erstellt.

Dokumentation eines (nicht ganz so gelungenen) Medientrainings bei brandeins.

Buchtipp: Verbrechen in China

Mittwoch, den 26. März 2008

Ich lese gerade „Goldener Reis“ von Andy Oakes und kann dieses Buch allen empfehlen, die sich – vielleicht auch aus gegebenen Anlass – näher mit dem modernen China beschäftigen möchten, und das eher unkonventionell mit Hilfe eines Krimis. Neben der spannenden Verbrecherjagd bieten einzelne Kapitel Einblick in Kultur und Geschichte des Landes. Nicht nur Krimifans kommen so auf ihre Kosten.

Nachtrag: Hier geht es zum Interview mit dem Autor.