Monatsarchiv für Januar 2008

Was ist los im Second Life?

Mittwoch, den 30. Januar 2008

Mode von FNKY im Second LifeÜber ein Jahr ist es schon her, da waren die Zeitungen voll mit Berichten über Second Life, die virtuelle Community aus den USA. Kein Tag verging ohne neue Berichte und kritische Kommentare über den Niedergang der Kultur, die sich in dem Spiel, das keines ist, zeige. Unternehmen und Agenturen sprangen mit auf den Zug und errichteten Filialen in der zweiten Welt und hielten virtuelle Pressekonferenzen oder andere Veranstaltungen ab – von Promotionaktionen, über Konzerte bis hin zum echten Pixel-Shop, die Phantasie kennt im Second Life kaum Grenzen. Doch wie sieht es heute aus im stark gehypten Online-Universum? Verdienen die vertretenen Firmen dort Geld, haben sich neue Zielgruppen erschließen lassen? Focus online und Tagesspiegel blicken zurück auf das vergangene Jahr im Second Life und sehen die Entwicklungen durchaus positiv. Zwar spielen die Aktivitäten in der Web-Community für die meisten Firmen eine eher untergeordnete Rolle, doch die Experimente mit neuen Marketing-Instrumenten gehen weiter und sind mehr als kreativ.

Rund 12 Millionen „Bewohner“ hat die zweite Welt inzwischen, und täglich kommen jede Woche loggen sich rund 500.000 neue Mitglieder ein hinzu (Nachtrag: Danke an den Hinweis von Dirk Ploss, dass ich an dieser Stelle die Zahl aus irgendwelchen Gründen falsch – und dummerweise ohne nachzudenken – zugeordnet habe. Seinen anderen Äußerungen kann ich jedoch nicht zustimmen, aber das ist Ansichtssache.). Das sind durchaus gute Zahlen, und es lohnt sich womöglich, über eine Kampagne im Second Life (SL) nachzudenken. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • - Kampagnen, die in der realen Welt viel Geld kosten, können im SL recht günstig getestet werden.
  • - Hier erreichen Sie auf einen Schlag sehr technikaffine und junge Zielgruppen.
  • - Herkömmliche Maßnahmen haben an Wirkung verloren und fallen nur bedingt auf. Im SL haben Sie es mit weniger Wettbewerb zu tun.
  • - Die Mitglieder sind sehr aktiv und oft bereit, sich zu engagieren und beteiligen – gute Ideen stoßen auf Resonanz und motivieren leicht freiwillige Helfer.

Doch trotz der durchaus positiven Bilanz sollte man nicht vergessen, dass noch immer nur eine kleine Zahl der Mitglieder aus Deutschland stammt. Wer sich allein auf diesem Markt tummelt, sollte sich gut überlegen, wie viel er in ein SL-Projekt investieren möchte. Zudem unterschätzen Firmen den Zeitaufwand. Es macht keinen Sinn, eine Filiale programmieren zu lassen und diese dann nicht zu besetzen. Das Second Life spielt sich rund um die Uhr ab, Öffnungszeiten sind hier nicht gefragt. Hinter jedem Avatar sollte ein echter Mensch stecken, der fundiert Auskunft geben kann. Verwaiste Inseln und Shopping-Malls zeugen von der Naivität der Firmen, die glauben, ein Auftritt in SL genüge, um eine Marke mit Leben zu füllen. Selbst wenn man für „nur” 10.000 Euro einen Showroom eingerichtet hat, ist das herausgeschmissenes Geld, wenn es keinen Anreiz gibt, diesen zu besuchen. Ob Partys, Geschenke oder lustige Spielereien – die Bewohner im SL wollen unterhalten werden. Ansonsten unterscheidet sich das Engagement dort nicht von klassischen Werbemaßnahmen, die einer dialogorientierten Gesellschaft kaum noch auffallen.

Einen guten Überblick zum Thema bietet Markus Breuer in seinen _notizen aus der provinz.

Vom Lesen und dem Problem mit der Zeit

Montag, den 28. Januar 2008

Eine Zuhörerin sagte einmal nach einem Vortrag über Blogs zu mir: „Wieso soll ich das alles lesen, da gehe ich doch lieber in den Wald und lese ein Buch.“ Eine Antwort darauf hatte ich nicht parat. Vielleicht waren meine Ausführungen einfach nicht klar genug gewesen. Niemand soll und muss lesen, was Blogger schreiben. Es geht ja gerade um Freiwilligkeit, beim Schreiben und auch beim Lesen. Man sucht sich die Angebote raus, die einen interessieren – aus privatem Interesse oder beruflichem, weil man sich im Augenblick mit einem Thema befasst oder einem einfach der Stil eines Autors gefällt.

Es ist natürlich etwas ganz anderes, ein Buch zu lesen. Wer ausschließlich Blogs liest, verpasst ebenso etwas wie jemand, der nur Romane schmökert. Es ist sicher kein Muss, neben Fernsehen, Radio und Tageszeitung auch noch im Internet nach Informationen zu suchen. Doch kann es ungemein bereichernd sein und das Gehörte ergänzen, vollkommen neue Perspektiven und Berichte bieten. Und wahrscheinlich würde es den eingefleischten Buch-Fans Spaß machen, sich mit anderen Leseratten über ein Werk auszutauschen. – Wenn es nicht gerade ein Beststeller war, wird man nur schwer Gleichgesinnte im Bekannten- oder Kollegenkreis finden. Da leisten Weblogs deutlich mehr. Journale wie Christians Bücherkiste, das literarische Blogtett oder Leseteufelchen listen zahlreiche Titel auf und laden zur Diskussion ein. Auch die Literaturwelt bietet einen guten Einstieg – mit zahlreichen Links zu Autoren mit eigenen Weblogs. Immer mehr „klassische“ Autoren betreiben Blogs, warum sollte dann ein Buch-Liebhaber nicht auch mal darin lesen? Okay, meist kommt dann das Zeitproblem als Argument. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man nicht die 15 Minuten erübrigen kann, um ins Internet zu gehen und ein paar spannende Texte zu lesen.

Scheinbar haben viele Leute tatsächlich keine Zeit für das Internet. Das muss man akzeptieren. Auch wenn sie garantiert durch das Nutzen mancher Angebot im Web Zeit gewinnen würden. Was ich jedoch absolut nicht verstehen kann, sind PR- oder Marketing-Experten, die meinen, Blogs und andere Web 2.0-Anwendungen ignorieren zu können. Heutzutage ist es völlig unzureichend, allein mit klassischen Journalisten in Kontakt zu stehen und sich darauf zu konzentrieren, irgendwo abgedruckt zu werden. Immer mehr Verbraucher informieren sich (ausschließlich) online über Produkte und Dienstleistungen, diskutieren und bewerten hier. Vertreter von Unternehmen sollten dies zumindest zur Kenntnis nehmen, also lesen. Am Wochenende kann man dann mit dem Buch im Wald sitzen.

Web 2.0

Freitag, den 25. Januar 2008

Da ich noch immer in jedem Seminar von mindestens einem Teilnehmer gefragt werde, was eigentlich das Web 2.0 sein soll, möchte ich hier noch einmal eine Definition geben. Oder besser zunächst auf diverse gute Beschreibungen verweisen, denn über den Begriff wurde schon so viel geschrieben, dass man dies wirklich nicht wiederholen muss. Eine gute und umfassende Erklärung bot Markus Kühle bereits 2006 in seinen Webthreads. Auch Wikipedia bietet viele Infos zum Thema. Und im Web2Null Sammelalbum können Sie sich über aktuelle Anwendungen und Dienste informieren.

Da jedoch gerade diejenigen von allzu tiefgehenden und technischen Definitionen abgeschreckt werden (wobei ich die oben genannten Quellen damit nicht als unverständlich bezeichnen möchte, doch manche Leute mögen’s bei ersten Berührungen mit einem Thema lieber schlicht), die sich noch nicht so gut mit der Online-Kommunikation ausgehen, hier eine sehr vereinfachte Erklärung, was es mit dem Web 2.0 auf sich hat:

Web 2.0 ist an sich nur ein Begriff für neue Anwendungen, Dienste und Inhalte im Internet, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Dabei geht es weniger um eine Zäsur, sondern eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist. Nach und nach wurden Lösungen geschaffen, die so einfach zu bedienen sind, dass sie eine viel größere Zielgruppe ansprechen als noch vor rund zehn Jahren. Heute ist es so einfach geworden, selbst Inhalte jeglicher Art im Internet zu publizieren, dass es zum einen immer mehr Beiträge privater Nutzer gibt und zum anderen eine größere Themenvielfalt entstanden ist. Jeder findet heute das, was ihn ganz persönlich interessiert, mag dies noch so speziell sein. Hinzu kommt, dass der Dialog, der Austausch über das Internet eine immer größere Rolle spielt. Nutzer kommentieren Beiträge, bewerten und geben Tipps. So ist das Web 2.0 die Einladung an alle, sich einzubringen, zu stöbern und zu teilen.

Linktipps: PR-Weblogs

Donnerstag, den 24. Januar 2008

Da sich dieses Blog auch an die Leserinnen und Leser meines Buches wendert, werden wir gegelmäßig Linklisten mit Tipps rund um das Thema “Kommunikation im Web 2.0″ veröffentlichen. So können sich gerade Einsteiger auf diesem Gebiet einen ersten Eindruck verschaffen. Wir starten mit den Blogs, die sich vorzugsweise mit dem Thema PR im Web beschäftigen:

Klaus Eck – PR-Blogger

PR-Kloster

PR-Journal

Ed Wohlfahrt

PR-Fundsachen

Storyblogger

Reine Formsache

Das Textdepot

Neuer Webauftritt von N24

Donnerstag, den 24. Januar 2008

Screenshot N24Der Nachrichten-Sender N24 hat seinen Internet-Auftritt überarbeitet und ist nun in neuer Anmutung online. Der erste Eindruck: Angenehmen „luftig“ mit großzügigen Freiräumen, übersichtlich und intuitiv. Dabei setzen die Verantwortlichen vor allem auf Video-News und Web 2.0-Tools. Die Beiträge können allesamt kommentiert und bewertet werden, es gibt direkte Links zu den relevanten Bookmark-Diensten, und es ist möglich, eigene Bilder und Videos einzubinden. Der Besucher kann sich sogar seine eigene Nachrichtensendung aus zusammenstellen und wählt dazu die Video-News aus, die ihn interessieren. Diese Liste kann man schließlich an Freunde und Bekannte weiterleiten.

Das ist alles nicht wirklich neu, doch gut gelöst. Im Unterschied zu vielen anderen Medien-Sites gelingt es N24 eine riesige Auswahl an Inhalten in guter Qualität, ohne die Nutzer zu erschlagen und fitzelige Icons zu verwirren. Die Seite wirkt reduziert und lädt gerade dadurch ein, hier und da mal zu stöbern. Gerade im Vergleich zum als fortschrittlich Web 2.0 gemäß angelegten Der Westen erfreut die N24-Seite durch deutlich weniger Teaser-Boxen, Schnipsel-Infos und navigationselemente – auch wenn das Layout vom Westen an sich sehr schön und gefällig ist.
Einziger kleiner Kritikpunkt: Zum Abgeben eines Kommentars muss man sich erst registrieren. Dies fördert nicht unbedingt den spontanen Dialog; andererseits kann man verstehen, dass es sich ein Medium wie N24 nicht leisten kann, Nutzer-Meinungen ungeprüft zu publizieren.

Der Auftritt wird sicher ein Erfolg, und ich kann mir gut vorstellen, dass durch die sehr „natürliche“ und wenig aufdringliche Art der Integration der Web 2.0-Elemente ein guter Weg gefunden wurde, auch bisher weniger webaffine Nutzer an die neuen Tools und Dialoginstrumente heranzuführen.Und das ist doch was.